away from the sun...
BAUSTELLE!!!






1.Good Charlotte

Jung, berühmt und auch ein bisschen reich: der Traum des weißen, amerikanischen Vorstadt-Kid ist für die Zwillingsbrüder Benji und Joel Madden Wirklichkeit geworden. Mit 16 Jahren, noch in der High School, gründeten die zwei ihre Band, später nach einem Kindermärchen Good Charlotte benannt.
Ihre eigene Kindheit in Waldorf, Maryland dagegen war nicht gerade der Stoff, aus dem Märchen sind. Nachdem der Vater die Mutter sitzen ließ, musste sie die Zwillinge in ärmlichen Verhältnissen durchs Leben bringen. Auch in der Schule hatten die Jungs es nicht so einfach. Als Außenseiter waren sie dem Spott der Mitschüler ausgesetzt. Dennoch ließen sie sich nicht beirren. "Wir gingen jeden Tag nach der Schule direkt auf unser Zimmer und spielten und sangen stundenlang." Zusammen mit ihren zwei Kumpels Paul und Billy von der High-School traten die Jungs erstmals 1996 in einem Keller vor 20 Leuten auf. "Wir spielten nur unseren eigenen Lieder – wir waren einfach nicht gut genug, um die Lieder anderer zu lernen."
Es reichte allerdings aus um sich rasch in der Gegend um Washington D.C. eine treue Anhängerschaft zu erspielen. Bald waren sie nicht mehr auf Jobs wie Lagerarbeiter oder Putze angewiesen. Als Gewinner eines Nachwuchsfestivals, mit der Unterstützung lokaler Radiosender und zwei Demotapes im Rücken, veröffentlichten sie ihr nach ihnen selbst betiteltes Debüt auf dem Major Sony. Einmal drin in der Maschinerie waren sie ruckzuck in den Charts angelangt.

Ihr erster Hit "Little Things" ist eine Abrechnung mit den zahlreichen Erniedrigungen, die sie in der Schule erlitten und bezeichnend für Good Charlottes oft bedrückenden Texte. Joels Thematik rankt sich dabei um eine beschissene Schulzeit, das kaputte Elternhaus oder Kritik an der amerikanischen Gesellschaft. Im Gegensatz dazu steht ihre Musik: In der Tradition von Bands wie Green Day und Blink 182 rocken die Jungs recht frohgelaunt los. Poppiger Punk, ein paar Metal-Einflüsse und tonnenweise Mitsing-Refrains werden von ihren Fans heiß geliebt und sind die Garanten für ihren Erfolg. Besonders in Australien und Neuseeland, wo ihr Debüt Platin einheimste, ist die Combo inzwischen ein Begriff.

Aber auch etliche Touren in den Staaten und Europa zeigen Wirkung. Mit ihrem zweiten Album "The Young And The Hopeless", bei dem Mietdrummer Josh Freese am Schlagzeug aushilft, machen sich die Burschen daran, es Combos wie Sum 41 gleichzutun und zu den Großen im Geschäft aufzuschließen. Für Benji ist es jetzt schon kaum zu fassen: "Wir träumten nur von all dem, und jetzt passiert es tatsächlich!" Und es geht sogar noch weiter, denn dreifaches Platin können Good Charlotte mit ihrem zweiten Album zumindest in den USA absahnen. Bevor es auf ausgedehnte Welt-Tournee geht, verpflichten die Jungs Chris Wilson als festen Drummer. Im Anschluss ziehen sie sich zurück ins Studio, um am Nachfolger zu basteln, der unter dem Banner "The Chronicles Of Life And Death" im Oktober 2004 auch in Deutschland zu haben ist. Experimenteller denn je geben sich GC Anno 2004 und diesmal können sie auch in Teutonien einschlagen, Karten für die Tour im März 2005 finden reißenden Absatz.

Die Stiländerung erklärt Madden: "Für mich waren Outkast schon immer ein großes Vorbild, an dem wir uns mit Good Charlotte orientieren. Die Leute werfen uns immer in einen Topf mit diesem ganzen Pop-Punk-Ding. Okay, aber wenn wir schon eine Pop-Punkband sind, dann wollen wir wenigstens die Outkast des Pop-Punk sein."

Im Mai 2005 trennt sich die Band einvernehmlich vom Neumitglied Wilson. Als Grund nennen Good Charlotte im Statement auf der Homepage "persönliche gesundheitliche Schwierigkeiten". Es sei das Beste für Chris, in Zukunft mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, um sich zu rehabilitieren. Wilson fiel bereits zuvor diverse Male für Konzerte aus.




2.Coldplay

Mit schwebenden Akkorden, weinerlich verzerrten Gitarren und tränenartig tropfenden Rhythmen signalisieren Coldplay im Jahr 2000: Die Schönheit der Welt muss eine traurige sein. Die Band, die gleich mit dem Debütalbum "Parachutes" alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, besteht aus einer eher unscheinbar wirkenden Gruppe Zwanzigjähriger: Chris Martin (Gesang, Gitarre, Piano), Guy Berryman (Bass), Jon Buckland (Gitarre) und Will Champion (Schlagzeug).
Zunächst an unterschiedlich Orten (Devon und Southhampton, Schottland und Wales) groß geworden, lernen sich die vier jungen Männer 1996 am Londoner College kennen. Nach der selbstfinanzierten EP "Safety" im Jahr 1998 und der vom NME-Redakteur Simon Williams protegierten EP "Brothers & Sisters" auf dem Label Fierce Panda, die Anfang '99 kurz in den UK Top 100 gastiert, beweisen die Label-Scouts von EMI/Capitol Gespür, und nehmen Coldplay im April 1999 unter Vertrag. Sie sollten es nicht bereuen.
Das schon bald als Nachwuchs-Britpopper titulierte Quartett präsentiert gleich mit dem ersten Full Length-Werk "Parachutes" ein in sich stimmiges, harmonisches Album. Die erste Singleauskopplung "Yellow" klettert bis auf Platz vier der englischen Charts und auch das gerade erst veröffentlichte Album greift mit wunderbar melancholischen Klängen nach den Sternen.

Der Band scheint der Erfolg zunächst nicht gut zu bekommen: Private Beziehungen gehen in die Brüche und Sänger Chris Martin laboriert ständig an entzündeten Stimmbändern. So müssen fast sämtliche in Deutschland angekündigten Konzerte aus Krankheitsgründen wieder abgesagt werden. Dafür stellt sich parallel ein enormer Erfolg für die Gruppe in den USA ein, von dem gestandene Europa-Superstars wie Oasis schon lange träumen.

Inzwischen sind auch alle Wehwehchen wieder kuriert. Doch Coldplay sagen wieder sämtliche Termine in Deutschland - bis auf einen - ab. Nur wer das Konzert in der Großen Freiheit in Hamburg miterleben durfte, fühlt große Genugtuung. Die vier gestandenen Musiker beweisen, dass sie es live genau so drauf haben wie auf Platte. Und sie geben dabei einen Vorgeschmack auf's neue Album, der aus ohnehin großem Appetit einen Heißhunger macht.

Dieser wird am 28. August 2002 gestillt - "A Rush Of Blood To The Head" erscheint und sorgt für ein gewaltiges Medienecho. Coldplay zieren sämtliche Titelseiten. Auch Kritiker des ersten Albums erkennen nun, dass Coldplay nicht die Vorzeige-Langeweiler sind, für die sie zunächst gehalten wurden.

Eine Flut an Preisen, zahlreiche MTV-Awards und drei Grammys bringen der Kombo internationalen Popstar-Status ein. Nicht nur musikalisch können sich Coldplay längst mit Stars und Sternchen messen: Bald erwartet die Schauspielerin Gwyneth Paltrow ein Kind von Sänger Chris. Die kleine Apple erblickt am 14. Mai 2004 das Licht der Welt.

Bis zu einem neuen Coldplay-Album dauert es dann auch so lange, wie es sich für Superstars gehört. Erst am 6. Juni 2005 gelangt das dritte Studiowerk namens "X&Y" in die Plattenläden, vorab erscheint am 23. Mai die SIngle "Speed Of Sound". Chris Martin schwärmt bereits vom "best album of all the time". In Interviews erzählt er oft von seiner Nah-Tod-Erfahrung, die seinen musikalischen Ehrgeiz noch schürte. Während eines Fluges des Frontmanns über einem abgeschiedenen Teil Afrikas kam sein Propeller-Jet in Turbulenzen, und es gelang ihm nur mit Mühe die Landung. "Als wir kurz vor einem Crash standen, schwor ich mir, das beste Album aller Zeiten zu machen, sollte ich wieder nach Hause kommen", erinnert sich Martin.




3.Green Day

Ende der 80er ist Punk verdammt tot, und Punkplatten liegen wie Blei in den Regalen. Fünf Jahre später sieht das schon wieder ganz anders aus - mit dem Erfolg von Nirvana ist Gitarrenmusik der härteren bzw. schnelleren Gangart wieder gesellschaftsfähig, Punkbands verkaufen ihre Scheiben millionenfach. Die beiden erfolgreichsten sind The Offspring und Green Day.
Letztere stammen aus Berkley im sonnigen Kalifornien. Sie gründen sich 1987. zu der Zeit machen der 15-jährige Billie Joe Armstrong (Vocals und Gitarre), sein gleichaltriger Freund Mike Dirnt (aka Michael Pritchard, Bass und Backing-Vocals) und El Sobrante (aka John Kiffmeyer, Drums) noch unter dem Namen Sweet Children Musik. Zusammen bringen sie ihre erste Single "Slappy Hours" auf Lookout!-Records raus.
Der Chef eben dieses Plattenlabels kennt einen jungen Schlagzeuger aus der Nachbarschaft. So kommt Frank Edwin Wright III, heute besser bekannt als Tre Cool, 1989 nach diversen Wechseln am Schlagzeug hinter die Becken. Dort sitzt er bis heute. Im selben Jahr kommt bei Lookout! auch ihre erste Platte raus "1039 / Smoothed Out Slappy Hours" - hauptsächlich eine Zusammenstellung alter Eps, auf denen noch Kiffmeyer die Felle prügelt.

Als 1992 "Kerplunk" auf den Markt kommt, macht das Album Green Day in der Punk- und Independentszene zu kleinen Stars und führt letztendlich dazu, dass die Jungs ihre Seelen an die "böse Majorcompany" Reprise bzw. Warner verkaufen - zumindest in den Augen einiger Fans.

1994 liegt der ganz große Braten auf dem Tisch: "Dookie" erscheint, und die Welt liegt Green Day zu Füßen. Insgesamt verkauft sich ihr Majordebüt mehr als elf Millionen Mal, sie spielen bei Woodstock II, haben wohl für den Rest ihres Lebens ausgesorgt, und das Punkrevival erlebt seinen Höhepunkt.

Danach geht es ein wenig bergab. Das ein Jahr später erscheinende Album "Insomniac" verkauft sich zwar gut, bleibt aber weit hinter "Dookie" zurück. Im Frühjahr 1996 brechen sie wegen Burnouts noch ihre Europatournee ab, was sie später als den größten Fehler ihrer Laufbahn bezeichnen. Den Rest des Jahres nutzen sie, um an neuem Material zu arbeiten. "Nimrod" erscheint 1997 und zeigt Green Day in besserer Form als je zuvor.

Bis ihr sechstes Album das Licht der Welt erblickt, gehen drei Jahre ins Land, erst im Herbst 2000 gibt es neues Material von Green Day. Der Versuch dieses Mal mit Scott Litt (R.E.M., The Replacements, Nirvana) als Produzent am Album zu arbeiten, wird nach kurzer Zeit wieder verworfen. Letztendlich ist "Warning" eine Platte geworden, die weg vom Punk, mehr in Richtung Pop und Songwriter-Style geht.

Es folgt eine Pause, die für alte Fans gähnende Leere bedeutet: Green Day gehen lange nicht auf Tour, bringen eine Single- und eine mäßige B-Seiten-Collection auf den Markt.

Erst nach vier Jahren schlagen sie wieder neue Töne an. Und was für welche: Mit "American Idiot" beginnen auch Green Day, im hohen Alter noch politisch (korrekt) zu werden. Nebenbei entfaltet sich ein Konzeptalbum, bei dem ein Song schon mal so lange dauert wie früher vier. "Punk-Oper" taufen eifrige Vermarkter das Epos. Bezeichnung hin oder her, die im Januar 2005 folgende Deutschlandtour ist komplett ausverkauft.




4.Eric Prydz

Sexy Girls, die in knapp geschnittenen Work-Out-Suits und schrillfarbenen Stulpen über die Mattscheibe hüpfen, verhelfen dem Discjockey und Produzenten Eric Prydz 2004 über Nacht zu Glanz und Glamour. "Call On Me" heißt der Track, der zuerst die Partyinsel Ibiza im Sturm nimmt, um schon bald darauf auf sämtlichen Medienkanälen in der Heavy-Rotation zu landen. Ob es an die verschwitzten Gymnastik-Mädels aus dem Video liegt oder an der gebündelten Dosis Filter-House? Wer weiß das schon?
Gerüchte ranken sich auch um die Herkunft sowie den bisherigen Werdegang des Star-DJs. Die einen behaupten sein eigenwilliger Nachname gehe auf holländische Ahnen zurück. Andere vermuten seine Wurzeln eher im skandinavischen Norwegen. Ein Blick in die Diskografie des am 19. Juli 1976 geborenen Prydz scheint diese Annahme zu bestätigen.
Neben seinem gemeinsamen Projekt A&P Project, an der Seite des schwedischen DJs Steve Angello, erblicken einen Vielzahl seiner Veröffentlichungen auf schwedischen Labels das Licht des Tages. Unter zahlreichen Pseudonymen wie Cirez D, Dukes Of Sluca, Pryda oder Sheridan tritt Eric Prydz zu Beginn des Jahrtausends auf Labels wie Truesoul (Adam Beyer) oder Joia Records mit eigenen Produktionen in Erscheinung.

Seine Jugend verbringt Prydz zu den Klängen von Depeche Mode und Human League, bevor ein Tape aus Ibiza die Weichen in Richtung House und Techno stellt. Underground Resistance gehören genauso zu seinen Favoriten, wie die erste Generation von Techno-Produzenten aus Stockholm, als da wären Hakan Lidbo und Adam Beyer. Mit seinen eigenen Tunes wandert er auf housigen Pfaden und macht sich mit seinen Releases auf Credence einen Namen in der Szene.

2004 schlägt das Remake des Steve Winwood-Klassikers "Valerie" ein wie eine Bombe. Aufgenommen wurde der Track bereits zwei Jahre zuvor und geisterte seitdem als Bootleg-Version durch die Clubs. Im Sommer 04 ist mit allen Spekulationen Schluss, denn da turnen oben erwähnte Aerobic-Mädels zu Prydz "Call On Me" über den Bildschirm. Die House-Szene hat einen neuen Superstar. Dessen Feeling für Beats schätzen auch die Herren Jörn Elling Wuttke und Roman Flügel aka Alter Ego und lassen ihren 2004er Hit "Rocker" von Prydz remixen.




5.Kosheen

Kosheen kommen aus Bristol, der heimlichen Musikhauptstadt Groß-Britanniens. Dahinter verbergen sich Sian Evans, Markee Substance und Darren Decoder. Die Idee, Drum'n'Bass in eine andere, offenere Richtung zu lenken, mit Gesang und mehr Soul und dem Willen, auch live auf einer Bühne spielen zu können, entsteht schon gegen Ende der neunziger Jahre. Mark(ee) Morrison aus Glasgow und Darren Beale, die in Bristol nebenher den Plattenladen und -Label "Breakbeat Culture" betreiben, können aber zunächst keine geeignete und ihnen passende SängerIn finden.
Lange vor Kosheen irgendwann zu Beginn der 90er lernen sich der Jungle/Breakbeat-Enthusiast Substance und Decoder auf den von Substance promoteten "Roughneck Ting" Raveveranstaltungen in der Umgebung Bristols kennen. Auf diesen Raves treibt sich auch die Waliserin Sian Evans herum. Ihre Wege kreuzen sich zum ersten Mal. Evans singt als Teenager in verschiedenen Jazz und R'n'B-Bands und wird später auf die Ravebewegung in England aufmerksam. Sie frönt bis zur Geburt ihres Sohnes einem exzessiven Lebensstil. Dann zieht sie sich in ein abgelegenes Dorf in der Einöde Wales zurück und schreibt dort eigene Songs.
Decoder, zuvor Gitarrist in diversen Skatepunk-Kapellen, bekommt durch seinen Kommilitonen Geoff Barrow die Möglichkeiten aufgezeigt, elektronische Musik zu machen und ist schwer begeistert. Er legt die Gitarre weg und beginnt selbst zu produzieren. Substance ist seit 1993 ebenfalls als Producer tätig. Dieser veröffentlicht vor allem auf Breakbeat Culture, während Decoder auf seinem "TechItch" Imprint releast. Erste gemeinsame musikalische Ideen entstehen bereits, doch noch ist kein passendes Organ in Sicht. Substance hört Evans' Stimme auf einem Song von Colour Stone und nimmt daraufhin Kontakt zu ihr auf. Die viel zitierte Chemie stimmt zwischen den Dreien und Kosheen nimmt konkrete Formen an.

"Hide U", ein massiver Vocal-D'n'B-Track, wird ein Riesenerfolg. Kosheen unterschreiben bei Moksha, einem Sublabel der BMG. Im Herbst 2001 touren sie in Europa mit den Landsleuten von Faithless und stellen ihre Livequalitäten unter Beweis. 2002 wird die Single "Catch" released und hält sich wacker in den deutschen Top 20. Einen umjubelten Auftritt haben Kosheen außerdem auf dem Kölner Electronic Beats-Festival, wo sie mit Kollegen wie den Sofa Surfers, Kid Loco und Chicks On Speed die Bühne teilen.

Nach dem Überraschungserfolg des Albums nehmen die Kosheens eine kleine Auszeit, bevor sie sich an die Aufnahmen zum neuen Album machen, das im Sommer 2003 unter dem Namen Kokopelli erscheint. Statt jedoch an einem zweiten "Resist" zu feilen, überraschen sie die staunende Hörerschaft mit Pop-Rock, bei dem nur noch selten die alten Drum'n'Bass-Sounds durchscheinen.




6.Juli

Der Sonne waren sie wohl schon immer verbunden, denn bevor es Juli wurde, waren Sunnyglade - damals noch mit englischen Texten - schon auf etlichen Sommerfestivals anzutreffen. Jetzt sind sie vorwiegend im Radio zu hören und dürfen auch schon in Clip-Form rotieren.
Nach "Wir-2-Sind-Rosen-Silber-Raum
- Stolz-Mond-Wohnung-Helden" könnten sie wohl das nächste 'große Ding' werden. Nicht zuletzt wegen der "Perfekten Welle", auf der sie schwimmen. Die Rezensenten ihres Debüts jedenfalls taumeln zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode gelangweilt.
Ihren Bandnamen haben sie sich übrigens von der befreundeten Band Tex aus Berlin geliehen, die ein Lied gleichen Namens im Programm hat. Tex sind offensichtlich ebenfalls mitverantwortlich für den Wechsel von englischen zu deutschen Texten, die Juli vor ein paar Jahren noch zu "uncool" waren und "mit Schlager gleichgesetzt" wurden. Ein weiterer wichtiger Einfluss, der zu dieser Entscheidung führte, sind Selig gewesen, die gezeigt haben, "dass man durchaus mit deutschsprachigen Liedern anspruchsvoll sein kann". Also wurde aus Sunnyglade anno 2001 Juli.

Der Einfluss von Selig scheint sich aber nur auf die Sprachwahl zu erstrecken, denn sowohl musikalisch als auch textlich sind sie nicht mit ihnen verwandt. Vielmehr müssen sie sich den ständigen Vergleich mit Wir Sind Helden gefallen lassen, den zumindest Eva Briegel (25, Gesang) "immer ein bisschen anstrengend" findet.

Zusammen mit Simon Triebel (21, Gitarre) und Jonas Pfetzing (23, Gitarre) ist sie für den größten Teil der Songs verantwortlich, die meistens aus Ideen entstehen, mit denen einer der drei in den Proberaum kommt. Dort fangen sie erst mal an herumzuprobieren und lassen die Ideen dann manchmal bis zu fünf Wochen liegen, bis sie sie erneut anschauen. Deshalb haben Juli auch keinen besonders hohen Song-Output. Eva sagt dazu: "... wir feilen wirklich ewig an unseren Stücken, bis sie uns wirklich gut gefallen und so dass wir alle stolz und zufrieden damit auftreten können". Ob man das der Musik von Juli anmerkt, muss jeder selbst entscheiden. Komplettiert wird die Band durch Andreas Herde (22, Bass) – der auch liebevoll "Dedi" gerufen wird – und Marcel Römer (22, Schlagzeug), der gerne "schmerzfrei atmet" und "Thoraxdrainagen" hasst.

Die fünf kennen sich bereits aus ihren Teenager-Zeiten in Gießen. Schon seit damals schreiben sie "Texte, in denen sie mal reflektierend, mal verzweifelt versuchen, ihr aufregendes Gefühlsleben in adäquate Songs umzusetzen". Das scheint ihnen zumindest so weit gelungen zu sein, dass sie den Rio Reiser-Songpreis 2003" gewinnen und am 15. August desselben Jahres ihren ersten Plattenvertrag mit Polydor Island unterschreiben. Im Oktober/November 2004 zeigt die Band, die "keine Angst vor Klischees, so lange sie echt sind" hat, was sie live kann. Und da Juli von sich sagen, dass sie unglücklich kreativer sind, weiß man gar nicht, ob man ihnen für die Zukunft Glück wünschen soll.

Die Konzerte der Band kommen überaus positiv an, was sich unter anderem auch auf die Verkaufszahlen des Albums niederschlägt. Bevor das Jahr sich seinem Ende entgegen neigt, stehen Juli an der Spitze der Album-Charts und sacken am Ende sogar Platin für ihr Debüt ein. Da sage noch einer, dass die Maffays, Grönemeyers und Baps der Republik die Platinplatten untereinander beim Skat verkloppen. Ob sie nun die Lieblinge der Kritiker sind oder nicht, kann den Julis herzlich schnuppe sein. Wer bei einer Veranstaltung wie Stefan Raabs Bundesvision Song Contest mit fliegenden Fahnen den Sieg holt, den müssen ganz viele Menschen ganz dolle lieb haben.




7.Silbermond

Tsja. Manches Mal bringt die Idee, Bandnamen nach bereits bekannten Findungsmustern auszuwählen, äußerst hirnrissige Ergebnisse zustande. So auch im Falle Silbermond. Mitte des Jahres 2000 sind Johannes und Thomas Stolle (Bass & Gitarre), Andreas Nowak (Schlagzeug) sowie Sängerin Stefanie Kloß auf der Suche nach einer Bezeichnung für ihre Gruppe. Tsja, und dann kommt ihnen das Wort JAST in den Sinn. Und wer hätte es gedacht, sie verwenden für diesen Unsinn die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen. Tsja, da hätte aus JAST tatsächlich TSJA oder JATS oder sonst was hervorgehen können.
Die Mitglieder hatten sich in ihrer Heimatstadt Bautzen bei einem Musikprojekt mit dem Namen TenSing kennen gelernt. In der Stadt, in der früher Erich Honecker zu DDR-Zeiten unliebsame Arbeiter und Bauern hinter schwedischen Gardinen (manchmal auch für immer) verschwinden lässt, übernimmt die nach Wende-Jugend das musikalische Zepter. In diesem Falle eben die Formation JAST, die in ihrer Anfangszeit Rockmusik mit englischen Texten macht und ihre Version bekannter Hits zum Besten gibt. Bis hierher verläuft die Geschichte der Band haargenau wie die so vieler anderer Newcomer. Dass eine Combo aber bereits drei Monate nach ihrer Gründung einen Preis einheimst, ist indes nicht ganz alltäglich. Während viele Mitbewerber um den Bandwettbewerb 'BEAT' des Landkreises Bautzen bereits längere Zeit zusammen spielen, gelingt es JAST, ihnen allen die Trophäe vor der Nase wegzuschnappen.
Um die weitere Planung voran zu bringen, müssen erst einmal Demos her, mit denen sich JAST bei interessierten Hörern vorstellen können. Die ersten Aufnahmen gehen daraufhin im Backyard-Studio zu Löben bei Bautzen über die Bühne. Weitere Wettbewerbs-Meriten sammeln sie in Freiberg, wo sie immerhin den zweiten Platz beim 'Soundcheck 2001' belegen. Nur zwei Monate später können sie sich beim 'Music Act 2001' die oberste Podest-Stufe sichern. Im September 2001 wandern die englischen Texte in die Tonne. Aus Ermangelung der richtigen Ausdrucksweise versuchen Stefanie und co. es nämlich ab jetzt mit ihrer Muttersprache. In einem fremden Idiom zu Texten ist nun mal doch etwas schwerer als gedacht.

Ein weiterer Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere ist der Auftritt als Support der Puhdys, wo sie in Kamenz vor mehr als 10.000 Menschen auf der Bühne stehen. Mit der neuen Ausrichtung auf das Deutsche steht der Bandname wieder zur Disposition, und Gott sei es gedankt entscheiden sich Stefanie, Johannes, Thomas und Andreas nun für den Namen Silbermond. Mittlerweile hat sich die Band durch unermüdliches Auftreten und eifriges Arbeiten an eigenen Songs in Sachsen einen Namen gemacht.

Mit den Produzenten Ingo Politz und Bernd Wendlandt (Jeanette, Bell Book, Alphaville) arbeiten sie ab August 2003 an Songs für ihr Debüt-Album. Unter dem Überbegriff 'Rock' sammeln sich insgesamt 15 Songs, die auf dem im Juli 2004 erscheinenden "Verschwende Deine Zeit" vertreten sind. Vorher geht das Quartett als Support von Jeanette Biedermann auf ausgiebige Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.




8.Lenny Kravitz

Künstlerisches Talent muss man wohl irgendwie in die Wiege gelegt bekommen, wenn der Vater (Sy Kravitz) ein Fernsehproduzent und die Mutter (Roxie Roker) eine Schauspielerin ist. Der kleine Lenny wurde am 26. Mai 1964 in Brooklyn geboren und war schon im Strampelanzug ambitionierter Musiker. Als Hosenscheißer schart er alle Töpfe und Pfannen des elterlichen Haushaltes um sich und funktioniert diese zu einem Schlagzeug um. Mutti und Vati fördern dieses Talent und schleppen ihn des öfteren zu Konzerten mit. Mit zehn Jahren, in einem Alter, in dem die meisten seiner Altersgenossen noch "Hänschen Klein" und "Alle meine Entchen" singen, kann Kravitz Größen wie Duke Ellington, Sarah Vaughan, James Brown und die Jackson Five bewundern.
Nachdem die Familie 1974 nach Los Angeles übersiedelt, bewirbt sich Lenny beim "California Boys Choir" und wird prompt genommen. Zu dieser Zeit bringt er sich selbst das Spielen einer ganzen Reihe von Instrumenten bei und wird in der renommierten Beverly Hills High School aufgenommen. Endgültig um ihn geschehen ist es, als er über diverse Prince-Platten stolpert. Langsam dämmert ihm, dass die Musik seine Bestimmung ist, und fortan gibt er alles dafür. Sein Pseudonym "Romeo Blue" und sein Ford Pinto sind von nun an seine Markenzeichen.
Trotz der Enttäuschung, dass der Sohnemann nach der High School nicht weiter das College besuchen möchte, ist der Vater großzügig und ermöglicht Lenny durch seine finanzielle Unterstützung, dass er sich ganz dem Ziel Plattenvertrag widmen kann. Zusammen mit seiner damaligen Freundin Lisa Bonet (Cosby Show) zieht er wieder zurück in seine Geburtsstadt und dort läuft er Henry Hirsch über den Weg, der ebenso ein Fan alter Rock'n'Roll- und R'n'B-Sounds ist. Mit ihm arbeitet er Songs aus, die später auf dem Debut-Album "Let Love Rule" erscheinen werden, die Kravitz im Alleingang aufnimmt. Die Platte wird trotz Spott und Hohn der Kritiker ein voller Erfolg und sein Mischmasch aus Rock, Soul, R'n'B und etwas Psychedelik kommt bei den Massen überaus gut an.

Lisa Bonet, die er mittlerweile geheiratet und mit der er eine Tochter (Zoe) hat, lässt sich von Kravitz scheiden, nachdem diverse Gerüchte im Umlauf sind, dass er mit Madonna eine Affäre habe, für die er zu der Zeit den Hit "Justify My Love" produziert.

Diese Trennung muss wohl einen kreativen Schub bei Kravitz ausgelöst haben, denn das folgende Album "Mama Said" dreht sich nur um seine Verblichene. Die bösen Kritiker können seiner Stilvielfalt weiterhin nichts abgewinnen, aber dank dem enormen Erfolg kann ihm das herzlich egal sein. 1993, nachdem "Are You Gonna Go My Way" erscheint, kommt auch der mediale Ruhm. So ganz kann er jedoch die Grammy-Nominierungen (Bester Rock Song, beste Rock-Stimme) und den MTV Award (Bestes Video) nicht genießen, denn bei seine Mutter wird zu der Zeit Krebs diagnostiziert. Dieser persönliche Schicksalsschlag fließt wiederum in sein Songwriting ein und mündet in der Platte "Circus". Kurz nach Fertigstellung der Scheibe stirbt am 2. Dezember 1995 seine Mutter.

Schwer gebeutelt zieht sich Kravitz mit Tochter und Großmutter auf die Bahamas zurück und versucht den Kopf frei zu bekommen. Nachdem er seine Batterien wieder aufgeladen hat, scheint die Zeit reif zu sein für den großen Wurf. Mit "5" erscheint das bislang ausgereifteste Werk aus Kravitz Feder. Zum ersten Mal experimentiert Lenny mit elektronischen Gimmicks, was jedoch kaum etwas an der Grundintention seiner Songs ändert.

Geändert hat sich höchstens sein Status im Musikgeschäft, denn mit "5" hat er sich einen Platz unter den Superstars der Branche gesichert.




9.Scooter

Scooter, das sind eingängige, gerne bereits bekannte Melodien auf einfachen Techno-Beats, garniert von H.P. Baxxters charakteristischem teutonisch-englischen Shouting, dessen Klang die Ärsche der Massen bewegt und jeden Anglisten in die Verzweiflung treibt.
Die kommerzielle Karriere von Scooter hängt eng zusammen mit der noch beeindruckenderen Erfolgsgeschichte ihrer Hamburger Plattenfirma Edel. Dort jobbt Baxxter 1993, seinerzeit noch auf den bürgerlichen Namen Hans-Peter Geerdes hörend, als Promoter. Den Verantwortlichen des Labels kommt zu Ohren, dass ihr Telefonvermarkter gemeinsam mit Rick Jordan in den 80ern bereits mit einem Wave-Projekt namens "Celebrate The Nun" zwei Alben produziert und es in Hannover zu lokaler Berühmtheit gebracht hat. Diese Referenz beschert den beiden den Auftrag, einen Remix der holländischen House-Produktion "Vallee de Larmes" anzufertigen. Gemeinsam mit Baxxters Cousin Ferris Bueller machen sie sich an die Arbeit und taufen ihr Projekt wegen der Jahrmarktklänge der Vorlage auf den Namen Scooter.
Der Titel floppt - aber bereits mit ihrer zweiten Single schaffen Scooter 1994, nicht zuletzt dank der cleveren Edel-Vermarktung den ultimativen Durchbruch: "Hyper Hyper". Die Techno-Szene windet sich vor Schmerz und schmäht die "drei Einzeller im Hyperspace" (Prinz) als "Techno-Deppen persönlich" (Frontpage). Doch der Massenmarkt sitzt nicht in trendigen Großstadtclubs, sondern in Provinz-Discos und Golf GTIs, und Scooter haben das früher als alle anderen begriffen. Sie machen Musik, die genau dort prächtig funktioniert: die Single stampft bis auf Platz zwei der deutschen Charts und erreicht Platin-Status.

Was Scooter von den meisten Kommerz-Dance-Projekten unterscheidet, ist die Fähigkeit, diesen Triumph in schneller Folge scheinbar beliebig zu wiederholen: Ob Billy Idol, Kiss oder Bots - alles wird gnadenlos erfolgreich durch den Scooter-Mixer gedreht und zu Gold oder Platin gepresst. Auch live begeistern die drei die Massen, rund eine viertelmillion Fans pilgern jährlich zu Scooter-Konzerten, allein zum 98er-Gig in Moskau kommen 17.000 Menschen.

Als Ferris Bueller 1998 keine Lust mehr hat, wird er nahtlos vom Hamburger House-DJ Axel Coon ersetzt. Keyboarder Axel Coon kehrt seinem Verein Anfang März 2002 den Rücken, um sich zukünftig vermehrt dem DJ-ing und dem Remixen zu widmen. Ersetzt wird er durch den Produzenten und DJ Jay Frog, der schon bei der "Push The Beat For This Jam - The 2nd Chapter"-Tour zeitweise den Ersatzmann für den erkrankten Coon spielte. Der Stil bleibt, der Erfolg auch: Scooter sind ein Phänomen, an das man sich im Rückblick auf die späten Neunziger noch lange erinnern wird. Ob man mag oder nicht. Sie bringen wohl bis an ihr Lebensende jedes Jahr ein Album raus.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden hauen die Arbeitstiere und Marktschreier unter den Techno-Acts 2002 24 Carat Gold raus. Im Jahr darauf schießen sie The Stadium Techno Experience auf den Markt. Doch dann geschieht etwas im Scooter-Universum, das Fans und Freunde der Band gleichermaßen verwirrt: Frontmann HP darf sich nach der Erfolgreichen Teilnahme an einer RTL-Show rühmen, er sei Deutschlands klügster Promi. Parallel veröffentlicht er ein Hörspiel in der Reihe "Reading Stars". Dafür liest er Prosastücke des Autors Thomas Bernhard. Mit dem Album Mind The Gap jedoch gelangen sie wieder auf den alt bekannten Weg: Lauter Spielbuden-Techno für jedermann.




10.Robbie Williams

Wenn sich ein Künstler auf die Bühne stellt und frei heraus fragt, was er für seine Fans tun kann, hat das Seltenheitswert. Erst recht, wenn dieser sich im sonstigen Leben meist wie eine launige Diva aufführt, der nicht gebührend Respekt gezollt wird. Doch genau das macht Robbie Williams aus. Sein Programm lautet uneingeschränkt "Let me entertain you", seine Show ist er selber und seine Fans lieben ihn dafür. Das war zu Take That-Zeiten zwar ähnlich, doch dort war er nur der Spaßmacher und durfte nichtmal neben Hauptsänger Gary Barlow tanzen, nur dahinter.
1990 beginnt Robbies Traumkarriere: Der am 13. Februar 1974 geborene Robert Peter Maximillian Williams bricht eines Nachmittags von seiner Heimat Stoke-on-Trent nach London auf, nachdem Robbies Mutter Jan eine Annonce für ein Casting des Agenten und Managers Nigel Martin-Smith in der Zeitung entdeckt. Da Robbie schon früh das schauspielerische Talent seines Vaters Pete erkennen lässt, der in den Bars und Kneipen von Stoke einen Ruf als Entertainer genießt, hatte Robbies Mutter eine Bewerbung nach London geschickt, die prompt eine Einladung nach sich zog.
Bald darauf darf der Kleine die bereits gecasteten Take That-Jungs treffen und ein paar Lieder vorsingen. Natürlich kriegt er den Job. Neben einstudierten Tanzschritten bekommt er in der Band die Rolle des Clowns zugewiesen. Anfangs ist Robbie überglücklich, denn alles, was er sich jemals erträumte, geht mit Take That in Erfüllung: Er wird so berühmt, dass ihn alle Mädchen anhimmeln. Doch das quirlige Eigenleben, das Robbie entwickelt, ist in seinem Vertrag nicht vorgesehen. Nach fünf Jahren, etlichen Reibereien mit dem Management sowie Alkohol- und Drogengeschichten, verlässt Robbie am 17. Juli 1995 Gary & Co. - Das Leben mit der erfolgreichsten Reißbrett-Band der Neuzeit liegt von nun an hinter ihm.

Mitschuldig daran ist unter anderem ein von Martin-Smith nicht genehmigter Ausflug zum Glastonbury-Festival 1995, wo Robbie seine Lieblingsband Oasis trifft. Backstage versteht er sich mit den Gallaghers so gut, dass er sogar bei einem Oasis-Song auf die Bühne darf. Es ist der schmutzige Rock'n'Roll, die damit verbundene Attitüde und der ganze Lifestyle der Brüder, nach dem sich Europas größtes Teenie-Idol über alles sehnt.

Genau so wie der Erfolg von Oasis soll auch seine Solokarriere aussehen. Doch die beginnt vergleichsweise holprig. Williams merkt, dass er zwar das Talent besitzt, gute Songtexte zu verfassen, mit den erarbeiteten Melodien ist er jedoch unzufrieden. Hinzu kommt die zunehmende Abscheu vor seinem Ruf als Ex-Boygroup-Tänzer, der ihm den Weg zur ernsthaften Musikerkarriere scheinbar verbaut, was bei Robbie letztlich zu tiefem Selbsthass führt. Williams wird zum Partytiger, frönt hemmungslos Alkohol und Kokain, wodurch sich seine Unsicherheit vergrößert und die Zahl der Panikattacken zunimmt. Auch mit den Gallaghers kommt es zum Zwist, denn die fühlen sich von Robbies klettenhaftem Fangehabe ziemlich schnell belästigt und wissen sich nicht anders zu wehren, als Robbie bei zahlreichen öffentlichen Anlässen als Schwulen zu beschimpfen.

Natürlich ist Robbie zutiefst getroffen und schlägt verbal zurück, was wiederum eine schlimme mediale Schlammschlacht nach sich zieht. Beim ehemaligen Wham-Sänger George Michael sucht er um Rat, wie man sich von einem ungeliebten Image lösen kann. Das bringt Robbies neues Label Chrysalis auf die Idee, den Michael-Hit "Freedom" genau ein Jahr nach Robbies Take That-Split als Debütsingle für seinen Neuanfang auszuwählen. Gesagt, getan: In den Charts kann Robbies "Freedom '96" zwar bis hinter die erstplatzierten Spice Girls klettern, über Williams' Songwriting-Künste verrät die Nummer trotz des vielsagenden Titels dagegen wenig.

Das folgende "Old Before I Die" (eine lyrische Anlehnung an den Who-Klassiker "My Generation" und die Zeile "I hope I die before I get old") schafft es nicht ganz so weit nach oben, weist aber schon eine grobe Richtung des kommenden Robbie-Sounds auf. Nicht ganz zu Unrecht monieren zahlreiche Kritiken aber einen hörbaren Oasis-Einfluss in Melodie und Gesang.

Mittlerweile ist der schwer übergewichtige Williams ohnehin vor allem ein Thema für die Klatschspalten. Seine Abstürze in den Hotelbars aller Welt sind bereits legendär und so säumen Paparazzis seinen Weg 24 Stunden am Tag. Da Robbies neue Freundin Jacquie Hamilton-Smith Partyexzessen auch nicht abgeneigt ist, kann auch sie dem Sänger nicht aus seiner Identitätskrise helfen. Seinen verhassten Ex-Kollegen Gary Barlow disst Robbie derweil nicht nur in seinen Songtexten: Im Mai 1997 betritt Rob medienwirksam den Plattenladen HMV und kauft Barlows Soloalbum "Open Road". Am nächsten Tag kehrt er zurück und beschwert sich beim Filialleiter: "Das hier ist Scheißmusik, ich will sofort meine 15 Pfund zurück."

Mitte des Jahres checkt Robbie nach Überredungskünsten von seiner Mutter und Elton John in eine Reha-Klinik ein, um seine verschiedenen Süchte in den Griff zu kriegen. Sichtlich erholt und mit zahlreichen guten Vorsätzen im Sinn kehrt er nach vier Wochen in die Freiheit zurück, gerade als seine dritte Single "Lazy Days" erscheint. Sie schafft es immerhin auf Rang 8 der UK-Charts und somit drei Plätze vor Barlows "So Help Me Girl". Während dessen verkauft sich sein Debütalbum "Life Thru A Lense" weiter mäßig, was Robbies Plattenfirma langsam Sorgen bereitet, da sie weitaus größere Erfolgshoffnungen in den Jungstar gesetzt hat.

Doch schon im Dezember werden die kühnsten Träume allesamt übertroffen: Die vierte Single "Angels", eine der ersten Kooperationen mit Robbies neuem Partner Guy Chambers, entwickelt sich im vom Tod Prinzessin Dianas betroffenen Mutterland zum Weihnachts-Hit. Der Song verkauft sich eine halbe Million Mal und lässt die Verkäufe des Albums nochmal mächtig ansteigen. Von nun an gehts bergauf. Für das Nachfolge-Album "I've Been Expecting You" arbeitet das neue Dream Team Williams/Chambers erstmals Vollzeit zusammen und bringt die Hitsingles "Millennium", "No Regrets" und "She's The One" zu Papier. Belohnung stellt sich in Form zweier Ivor Novello Awards in den Kategorien "Songwriter des Jahres 1998" und "Meist gespielter Song 1998" ("Angels") ein. Privat läuft es dagegen nicht annähernd so gut: Robbie trennt sich nach wenigen Monaten von seiner Freundin Nicole Appleton, der Sängerin von All Saints. Später erfährt die Presse, dass Appleton ein Baby von Williams abgetrieben hat. Als sie ein Jahr später eine Liaison mit Robbies Intimfeind Liam Gallagher eingeht, bricht Williams den Kontakt mit seiner Ex-Freundin erbost ab.

Das Album "The Ego Has Landed", eine Zusammenstellung aus Robbies ersten zwei Alben für den amerikanischen Markt, findet 1999 nicht die erhoffte Kaufkraft in den Staaten. In Europa vergisst man aufgrund seines enormen Erfolgs dagegen nach und nach, wo Robbie seine Karriere ursprünglich begann. Während die alten Take That-Kollegen längst in der Versenkung verschwunden sind und selbst die große Songwriter-Hoffnung Gary Barlow solo enttäuscht, arbeitet sich Williams immer weiter nach oben. Auf seinem dritten Album "Sing When You're Winning" findet sich sogar ein Duett mit Kylie Minogue ("Kids"), das der sexy Australierin einen neuen Karriereschub verleiht (nachdem dies kurzzeitig schon Nick Cave geschafft hat). Zum Entsetzen seiner Plattenfirma beschließt Williams 2001, ein Album voll alter Rat Pack-Klassiker aufzunehmen.

Die Company sieht keinen Markt für ein 50er Jahre-Revival ihres größten Stars. Doch Williams setzt sich durch und straft alle Skeptiker Lügen: "Swing When You're Winning" wird ein Riesenerfolg, seine Fans goutieren die neuen Interpretationen der Frank Sinatra- und Dean Martin-Songs und selbstverständlich erweitert Williams mit diesem Album auch das Lager seiner Fans. 2001 ist Robbie aufgrund einer angeblichen Romanze mit Ex-Spice Girl Geri Helliwell in den Schlagzeilen, schreibt zwei neue Songs für den Soundtrack zum Film "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" und nimmt mit den drei restlichen Queen-Mitgliedern "We Are The Champions" für den Film "A Knight's Tale" neu auf. Bei einem Konzert in Stuttgart erhält sein Verfolgungswahn neue Nahrung, als sich ein offenbar psychisch gestörter Fan auf die Bühne schleicht und den Star unsanft in den Bühnengraben befördert.

Kurz vor der Veröffentlichung von "Escapology" unterschreibt Williams im Herbst 2002 den höchstdotierten Plattenvertrag der englischen Musikgeschichte mit Capitol/EMI über 127 Millionen Euro. Der Kontrakt zwischen der drittgrößten Musikfirma der Welt und Williams umfasst neben sechs Tonträgern auch Tourneen, Bücher und Werbeartikel des Stars. Reichlich Kohle bringt dieser Deal im Sommer 2003 in die Kassen beider Parteien, als Robbie auf Europa-Tournee geht und ausschließlich in ausverkauften Stadien auftritt. Im Vorprogramm treten dabei Kelly Osbourne, The Cardigans und Skin auf.

Während dieser Tour spielt er unter anderem noch im englischen Knebworth Park und stellt dabei einen Rekord auf. An drei Tagen hintereinander pilgern jeweils 125.000 Besucher zu seinen Konzerten. Insgesamt sind das also 375.000 zahlende Gäste. Die Essenz dieser Auftritte erscheint im September 2003 auf dem Album "Live Summer 2003" und fasst all das zusammen, was den Entertainer Robbie Williams ausmacht.




11.Tiesto

Innerhalb weniger Jahre nur spielt sich der niederländische DJ und Produzent Tiesto von kleinen Clubs in die höchsten Regionen der Charts. Elektronische Tanzmusik macht er zum Verkaufsschlager, sogar in der traditionellen Hochburg handgemachter Gitarrenmusik, den USA, wo seine Mix-CDs wie geschnitten Brot über die Ladentheke gehen. 2002 und 2003 bekommt er von der britischen Musikzeitschrift 'DJ Magazine' die Krone aufgesetzt und wird zum 'besten DJ der Welt' gewählt, noch vor langgedienten Stars wie Paul Van Dyk oder Paul Oakenfold.
1969 in Breda geboren träumt Tijs Verwest, wie DJ Tiesto mit bürgerlichem Namen getauft ist, früh von einer Karriere als Musiker. Die nimmt Formen an, als der 15-Jährige beginnt, in der örtlichen Disco Platten aufzulegen. Dort wollen die Leute in den 80ern die Songs der niederländischen Hitparade hören, freilich mit einem guten Schuss Club-Appeal. Richtig in Fahrt kommt Tiestos DJ-Ambiitonen jedoch, nachdem Techno und House auch in Holland Fuß fassen. In seiner Heimatstadt Breda beschallt er nun regelmäßig den Club The Spock.
Dorthin verschlägt es ab und an auch Trendscouts aus Rotterdam, die eines Tages auf Tiesto aufmerksam werden, der mit seiner populären Mixtur aus House, Techno und Charts in Breda einen guten Ruf genießt. Ab Mitte der 90er veröffentlicht er unter verschiedenen Künstlernamen unter anderem beim Rotterdamer Label Basic Beat Recordings. 1997 schließlich gründet er mit seinem Freund und Produktionspartner Arny Bink das eigene Label Black Hole Recordings.

Hier erscheinen in der Folge zahllose Mix-CDs von Tiesto, wie die beiden Teile von "Space Age", der Dreiteiler "In Search Of Sunrise" oder die "Magik"-Reihe. Trance ist das Label unter dem sich die meisten der Tracks, die bei Tiesto auf dem Plattenteller landen verbuchen lassen, auch wenn bei "In Search Of Sunrise" die Grenzen zum Ambient angetastet werden oder in der "Magik"-Reihe mit der "Trommelmaschine" von Der Dritte Raum ein Techno-Klassiker erklinkt. Der Durchbruch für Tiesto kommt 2000 mit dem Remix des Delirium-Tracks "Silence", der um die Vocals von Sarah McLachlan angereichert bis auf Platz drei der Billboard-Charts vordringt.

Erst nach weit über einem Dutzend Mix-CDs gibt Tiesto 2001 mit "In My Memory" sein Albumdebüt als Produzent. Die Platte entwickelt sich zum Topseller, vor allem dank eindrucksvollen Verkaufszahlen in den USA. Danach geht es Schlag auf Schlag für Tiesto. DJ-Bookings rund um den Globus folgen genauso wie zahllose Remixanfragen unter anderem von Skin ("Faithfullness"), Moby ("We Are All Made Of Stars"), Schiller ("Glockenspiel") oder Dave Matthew's Band ("The Space Between"), die alle positive Bescheide erhalten. Bono und Co erhalten von dem Holländer hingegen eine Absage.

Das kann sich Tiesto locker leisten, ist sein Terminplaner 2002 und danach doch bis zum Platzen gefüllt. Area 2-Festival in den Staaten mit Organisator Moby und seinen Gästen David Bowie, Carl Cox und John Digweed. Zwischendurch Gigs als Resident DJ im legendären Amnesia, wo ansonsten auch Paul Van Dyk oder Sven Väth und Gäste die Plattenspieler bedienen. Vom britischen 'DJ Magazine' wird er 2002 und 2003 zum 'besten DJ der Welt' gewählt.

2004 beginnt für Tiesto mit einem Superlativ. Vor 25.000 Fans spielt er im Stadion von Arnheim ein mehrstündiges Set und unterstreicht damit eindrücklich seine Popularität. Wenige Monate später kommt mit "Just Be" das zweite Album des Holländers auf den Markt, das zwischen Progressive- und Trance-Tracks auch balladeske Zwischentöne enthält.




12.Paul Van Dyk

Zu seinen Ambitionen als DJ, Producer und Remixer befragt, gab Paul Van Dyk einmal zur Antwort: "Ich will die Leute verführen, in eine andere Welt, für einen kurzen Moment, wenn sie sich in der Musik verlieren, die Musik fühlen. Ich will sie inspirieren." Diesem Ziel scheint Deutschlands populärster DJ inzwischen sehr nahe gekommen zu sein, erstreckt sich seine Fangemeinde doch vom heimischen Berlin über Sheffield und Miami bis ins fernöstliche Singapur. Ausverkaufte Events sind an der Tagesordnung, wo der Name Paul Van Dyk im Line-Up erscheint.
In den 80ern war das alles noch sehr anders. Paul Van Dyk, am 16. Dezember 1971 in Eisenhüttenstadt geboren, wohnte im kommunistischen Ostteil von Berlin. Dort konnte man zwar Westfernsehen und -Radio empfangen, eine lebendige Clubszene wie im Westteil der Stadt gab es jedoch nicht. Das ändert sich erst, als im November 1989 die Mauer fällt und in der Folge immer mehr Clubs in den Osten gehen, wie zum Beispiel der Tresor, der in die unterirdische Tresoranlage eines ehemaligen Kaufhauses am Potsdamer Platz zieht. Dort debutiert auch Paul Van Dyk 1991 hinter den Plattenspielern und beginnt gleichzeitig seine Karriere als Producer, deren erstes Produkt die von Cosmic Baby co-produzierte 12" "Perfect Day" ist. Der Grundstein für eine Weltkarriere war gelegt.
1993 erscheint der erste Longplayer "45 RPM" des nun regelmäßig im E-Werk auflegenden Van Dyk, wo er bis zur Schließung 1997 Resident bleiben wird. Während ihm sein erster Longplayer die Anerkennung der Szene einbringt, macht ihn seine zweite LP "Seven Ways" im In- und Ausland zum Superstar. Hohe Chartsplatzierungen sind von nun an an der Tagesordnung und auch der Tourschedule beinhaltet zunehmend Gigs im Ausland. For allem die Briten fahren auf Van Dyks melodiöse und zugleich treibende Sets ab. Eine Liaison, die in der Residency von Van Dyk im Sheffielder Club Gatecrasher ihren Höhepunkt findet. Aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks weiß man die DJ-Künste des Berliners zu schätzen. Bis zur Schließung des Clubs im Frühsommer 2001 ist van Dyk auch regelmäßiger Gast im New Yorker Twilo.

Seit 1993 bei MFS unter Vertrag geht van Dyk 1999 eigene Wege und gründet sein eigenes Label Vandit, auf dem er fortan seine eigenen Scheiben releast. Unter anderem das vierte Album "Out There And Back", das den Sprung in die Charts mühelos schafft, oder zuletzt "Reflections". 2001 legt er mit "The Politics Of Dancing" erstmals ein Mix-Album vor, das sein Talent als Producer, DJ und Remixer auf eindrucksvolle Weise widerspiegelt.

Mit seinem Album "Reflections" aus dem Jahr 2003 geht Paul Van Dyk mehr als einen Schritt in Richtung Pop. Seine Arbeit bekommt einen stärker songorientierten Charakter und verabschiedet sich zum Teil von der reinen Huldigung der Tanzfläche.

2004, im Jahr des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes, stellt Paul Van Dyk seine Popularität in den Dienst der unparteiischen Non-Profit-Organisation "Rock The Vote". Seit 1992 unterstützen Künstler wie Bono von U2, Madonna, Elton John oder Lenny Kravitz die Bemühungen von "Rock The Vote" um politische Aufklärung. Vor allem Jugendliche sollen dazu bewegt werden sich registrieren zu lassen, um so an der Präsidentschaftswahl im November teilnehmen zu können.




13.Paul Oakenfold

Sein Name ist mit der britischen Dance-Szene verbunden wie kaum ein zweiter. Von den ersten Tagen an, als noch LSD-gefüttertes Accciiiieed-Geschrei von der Tanzfläche zum DJ-Pult hoch schallte bis in die jüngste Gegenwart hat sich Paul Oakenfold elektronischer Tanzmusik mit Haut und Haaren verschrieben. Mit beinahe schon beängstigender Regelmäßigkeit hat er Trends und Entwicklungen vorhergesehen und schließlich an deren Popularisierung an entscheidender Stelle mitgewirkt.
Wollte man die Karriere des DJ, Remixer und Produzenten Paul Oakenfold auf ein einschneidendes Erlebnis zurückführen, wäre sein Aufenthalt in New York Ende der 70er Jahre sicherlich an erster Stelle zu nennen. Hier spürte er in der legendären Paradise Garage, wo der inzwischen zum Mythos gewordene Larry Levan durch seine abendfüllenden Sets House-Musik Geburtshilfe leistete, die ekstatische Energie der Tanzenden; und wurde von dieser Faszination nicht mehr los gelassen.
Zunächst versuchte sich der am 30. August 1963 in London geborene Oakenfold jedoch als Promoter unter anderem für die Beastie Boys und Run D.M.C., bevor er ab Mitte der 80er Resident im Project, einem der ersten House-Venues auf der Insel wurde. Der Durchbruch sollte schon kurz darauf folgen, nachdem er 1987 Urlaub auf der Partyinsel Ibiza machte und den dort gespielten Mix aus House, Italo-Disco, HiNRG und Alternative mit zurück ins verregnete Königreich brachte, wo die sonnigen Beats wie eine Bombe einschlugen und Dancemusic zum bevorzugten Stil der britischen Jugend machten.

Die DJ-Kanzel wurde Oakenfold jedoch schnell zu eng und zusammen mit seinem Partner Steve Osborne produzierte er das Album "Pill's 'n' Thrills 'n' Bellyaches", welches die Happy Mondays and die Spitze der britischen Rave-Szene katapultierte. Und Oakenfold und Osborne zum begehrtesten Remixer-Duo machte, deren Arbeit unter anderem von Größen wie U2, Massive Attack, Simply Red, New Order, The Cure, Arrested Development, The Shamen und Snoop Dogg in hohen Ehren gehalten wurde.

Als Resident in den beiden Superclubs in Großbritannien, dem Ministry of Sound in London und dem Cream in Liverpool bot sich Oakenfold eine wirksame Plattform, um neue Entwicklungen, wie Trip Hop-Trance schnell zu popularisieren. Das nötige Back-Up besorgte sein eigenes Label Perfecto, das ganz oben auf der Ravewelle surfte und zum erfolgreichsten Dance-Label der Insel avancierte. Neben Veröffentlichungen eigener Tracks auf Perfecto, releaste Oakenfold eine ganze Reihe verschiedener Mix-CDs, unter anderem für die "Global Underground" Reihe des Berliner Studio !K7 Labels.

Vornehmlich dem Trance zugetan scheut sich Oakenfold nicht, auch Breakbeats, House oder Techno in seine Sets zu mischen, so erweist er sich als einer der vielseitigsten und erfolgreichsten DJs im internationalen Geschäft.




14.Vanilla Ninja

Am 1. Mai 2004 tritt ein kleines baltisches Land der EU bei. Die Rede ist von Estland. Das Land der 1.500 Seen ist mit 45.227 km² doch relativ überschaubar. Die Landessprache Estnisch ist als finnougrische Sprache mit dem Finnischen und Ungarischen verwandt. In jenem Land gibt es aber auch ein besonderes Eis zu kaufen. Der Name: Vanilla Ninja.
Eben jene kalte Köstlichkeit ist nach der gleichnamigen Formation benannt, die im Baltikum zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehörig die Musikszene durcheinander wirbelt. Über ein halbes Jahr lang mischen die vier Mädels die Top Ten des Landes auf. Quasi ehrenhalber dürfen sie der Eiskreme ihren Namen geben. Ob's dadurch besser schmeckt, ist nicht überliefert, aber immerhin kann sich jeder einmal der Illusion hingeben, von den Girlies gekostet zu haben.
Vanilla Ninja, das sind vier ganz normale junge Damen Jahrgang 1983 bis 1986: Lenna Kuurmaa, Katrin Siska, Maarja Kivi und Piret Järvis. Alle vier stammen aus Tallin, der estnischen Hauptstadt und haben bereits vor Vanilla Ninja auf die eine oder anderen Art und Weise mit Musik zu tun gehabt. Ob im Kirchenchor, im Unterricht an der Geige, am Saxophon, oder in der estnischen Ausgabe von Pop Idol, 'Fizz Superstar', sowie bei der estnischen Vorausscheidung zum Grand Prix, jede hat ihre eigenen Erfahrungen gesammelt. Wie das Quartett zu einem Plattenvertrag kommt, ist aus der Historie nicht glasklar erkennbar. 2002 erscheint in Estland ihr selbstbetiteltes Debüt und geht ab wie Harry. Irgendwie dringt die Kunde auch bis nach Deutschland vor, wo ein gewisser David Brandes die Lauscher aufstellt.

Da es sich bei Lenna, Maarja, Katrin und Piret um schnuckelige junge Frauen handelt, deren Auftreten kommerziell verwertbar zu sein scheint, bringt er einen Deal mit Majorlabel Sony unter Dach und Fach. Brandes hat bereits mit Chris Norman, Wolfgang Petry und Big Brother Harry gearbeitet und sich vergeblich um eine Teilnahme am Grand Prix beworben. "Ich hab mir geschwor'n", "Jenseits Der Nacht", "Immer Bei Nacht" und "Helpless Dancer" heißen die ebenso hilflosen Versuche, erfolgreich zu sein. Als Produzent indes kann er beachtliche Erfolge verbuchen. So gehen auf sein Konto Bad Boys Blue, und auch die Eurodance-Kasper von E-Rotic ("Max Don't Have Sex With Your Ex") reiten von Chartserfolg zu Chartserfolg.

Jetzt also Vanilla Ninja. Von den unbedarften Pop-Nummern des ersten Albums und dessen teilweise estnischen Texten verabschieden sich die Vier und setzen nun ganz auf Anglizismen. Im November 2003 erscheint die Nummer "Tough Enough" und präsentiert die Band als rockige Combo, die weiß, wie Frau eine Gitarre zu halten hat. Beweise, ob dies auch der Wahrheit entspricht, existieren indes nicht, denn auch nach Einstieg der Nummer in die deutschen Charts und wachsendem Medieninteresse beschränkt sich Vanilla Ninjas Performance auf Playback-Mimik der Marke Bravo Chartshow oder Top Of The Pops.

Das Video zu "Tough Enough" entsteht in einem Berliner Gefängnis. Im Boxring gebären sich die Ninjas entsprechend tough und lassen schon mal den einen oder anderen Kerl durch den Ring fliegen. So hart scheinen sie dann aber doch nicht zu sein, denn welche Rüpelrocker würden schon mit Castingpüppchen wie Overground und den Preluders auf Tour gehen? Eben.

Im April 2004 sind sie schon mit der zweiten Single ("Don't Go Too Fast") in den Bestenlisten zu finden. Dieses Schicksal ist auch dem ersten hier in Deutschland erhältlichen Longplayer "Traces Of Sadness" beschieden, der ab Mai in den Läden steht. Und bevor der Ruhm wie Eis in der Sonne schmilzt, schieben Vanilla Ninja bereits im März 2005 das Album "Blue Tatoo" nach, ohne die Geschmacksrichtung zu wechseln.

Etwa zur gleichen Zeit kommt aus der Schweiz ein weiterer, eher unerwarteter Karriereschub: Die vier Balten sollen für unseren südlichen Nachbarn beim Grand Prix antreten. Genauer gesagt - nach dem schlechten Abschneiden von Vorjahresteilnehmer Piero - bei der Vorausscheidung. Vanilla Ninja hatten die Unterhaltungschefs der drei Schweizer Fernsehanstalten aus zahlreichen Bewerbungen ausgewählt, offenbar setzen sie nach der Pleite mit dem Schweizer 'Musicstar' Piero wieder auf internationale Zugkraft. Der einzige Bezug der Band zur Schweiz ist übrigens der in Basel geborene Produzent und Songschreiber David Brandes.




15.Geri Halliwell

Gegen die Gefahr, dass ihr plötzlich der Hintern abfallen könnte, hat sich Jennifer Lopez mit 250 Millionen Dollar versichern lassen. Geri Halliwell würde solch eine Versicherung nichts nützen. Auf ihrem neuen Album forderte sie das Risiko förmlich heraus. Sie hängte sich auf dem Cover mit Rollerblades an ein fahrendes Auto. "Ein völlig unverantwortliches Handeln von Geri Halliwell", befand die "Royal Society For The Prevention Of Accidents" prompt. Was Geri tut, droht nachgemacht zu werden.
15 Kilogramm soll das Ex-Spice Girl in kürzester Zeit abgenommen haben. Der Aufschrei von Dance-Star Sonique ließ nicht lange auf sich warten. Geri sei ein schlechtes Beispiel für Mädchen, geiferte sie, man solle seinen Körper akzeptieren. Bei so viel Ruhm ist der Weg unter die Berühmtesten ein kurzer - auch Geri soll nun bald im Londener Wachsfigurenkabinett Madame Tussaud zu bestaunen sein.
1999 stieg sie bei den Spice Girls aus, ihre
Popularität ist seitdem jedoch eher noch gestiegen. Für 150.000 Pfund verkaufte Geri Halliwell damals ihr Bühnenoutfit - abgesehen von den üblichen verbalen Sticheleien war die Epoche als Ginger Spice damals für sie abgeschlossen. "Stimmlich traue ich mir mittlerweile viel mehr zu", sagt sie - auf zwei Soloalben ist dies zu hören.

In dem 80.000 Einwohner-Städtchen Watford, nordwestlich von London wurde Geraldine Estelle Halliwell 1972 geboren - heute sind bereits ihre Haustiere begehrte Werbeträger. Ihr Hündchen Harry, welches sie für einen Spot ihrer Top-Eins-Single "It's Raining Men" auf dem Arm hatte, wurde mittlerweile von einem Hundefutterhersteller für eine Kampagne für Tierfutter entdeckt.

Wenn irgendwo eine Kamera in Sichtweite ist, gibt Geri den Charmebolzen höchstpersönlich. Es mehren sich aber die Stimmen, die bezeugen wollen, die Frau sei in Wirklichkeit eine rechte Kratzbürste. Als 'Heulsuse' Ross Geri Halliwell einmal in Cannes mit den Worten "Hi, ich bin Ross von der deutschen Popband Bro'Sis" ansprach, ignorierte das Ex-Spice Girl ihn zunächst, um im nächsten Augenblick los zu schreien: "Es ist schrecklich, dass heutzutage jedermann ein Popstar sein kann!"

Allerdings muss die Halliwell gelegentlich auch einstecken: Martha Wash, die den Klassiker "It's Raining Men" im Orginal singt, diffamierte Geris Version - er höre sich an, wie Hintergrundmusik zu einem billigen Porno-Film. Damit etwas will Geri freilich nichts zu tun haben: den Preis für Nacktfotos legte sie auf die utopische Summe von 30 Millionen Mark fest.

Diese Forderung ist nun doch etwas überzogen, und so versucht Geri Halliwell weiterhin, mit Musik Geld zu verdienen. Die mäßigen Verkaufszahlen von "Scream If You Wanna Go Faster" schrecken sie nicht; 2005 will sie einen neuen Anlauf nehmen, Vorbote ist die Single "Ride It", die im Dezmeber 2004 erscheint.




16.Gigi D'Agostino

Als LAUT-Redakteur Alexander Cordas sich im April 2000 zu einer Würdigung von Gigis neuer Hammer-Disko-Scheibe "L'Amour Toujours" überreden ließ, konnte keiner ahnen, welche Feedback-Lawine dies in Bewegung setzen würde. Ein halbes Jahr und zahllose unflätige Beschimpfungen später lässt sich eines mit Sicherheit sagen: Gigis Fans sind die härtesten von allen.
Viel ist nicht heraus zu finden über den Mann, der die Gemüter so erregt. 1967 in Turin geboren, arbeitete Agostino zunächst als Maurer auf der Baustelle, als Instandsetzer auf Tennisplätzen oder als Installateur. An andere Jobs will er sich heute lieber nicht mehr erinnern. 1986 beginnt er seine musikalische Karriere und sammelt erste Erfahrungen als DJ im Italo-Disco-Style. Als sein Mix "Psychodelic" in Italien plötzlich zum großen Hit wird, ergreift Gigi die Chance seines Lebens und geht nach London. In den heiligen Hallen der Weltmusikhauptstadt verfeinert er seine Technik, den Durchbruch in Deutschland bringt ihm schließlich das "Bla Bla Bla"-Zeichentrick-Männchen.
Einmal dem Volk auf's Maul geschaut, zeigt sich, dass die Geschmäcker doch verschieden sind. Was der Kritiker bemängelte, finden die Fans gerade gut. Die monotone Eintönigkeit der stampfenden Beats findet viele Freunde, außerdem seien Gigis Bässe "geil" und seine Produktion "fett", heißt es in den verschiedenen LAUT-Foren. Ein Beispiel:

"Wir sind eine Familie. Alter von 10 Jahren die Jüngste, 14 unser Sohn, 35 ich die Mutter und 38 unser Papa und wir hören den ganzen Tag alle Gigi. Zu Hause, im Auto auf Arbeit und das etwa schon vier Monate lang. Die Musik ist so gut und so schlecht wie die Musik heute zu Tage wohl sein muss, um auf den ersten Plätzen zu landen."




17. The Darkness

Spandex-Einteiler und schulterlange Dauerwellen sind das Trademark des exzentrischen Frontmanns Justin Hawkins (voc, git, syn). Auch der Rest der Band gibt sich im Glamrock-Retrolook: Bruder Dan (git) konkurriert in der Haarlänge, Basser Frankie Poullain trägt eine Respekt einflößende Rotzbremse und Bandana. Ed Graham, der Schlagzeuger der Dunkelheit wartet mit mächtigen Kajal-Augenringen auf. Musikalisch versiert bringen sie den Rock der Achtziger zurück und klingen mal wie Queen, mal wie Kiss und dann wieder wie Chicago.
Dabei beginnt die Bandgeschichte recht unspektakulär. Die Hawkins-Brüder wachsen in Suffolk Town im ländlichen England auf und üben sich schon früh an den sechs Saiten. Über sich und seinen Bruder sagt Justin: "I'm white hot, but he's shit hot". Bei so viel geballtem Talent liegt es nahe, bald in einer Band zu spielen. So beginnen sie ihre musikalische Karriere in einer Coverband, mit Dan als Sänger.
Die Brüder trennen sich, als Justin 1997 an die Uni in Huddersfield in der Nähe von Leeds und Dan nach London geht. Dort sucht er nach einer Band, in der er seine Gitarre bearbeiten kann. Er trifft den Schotten Frankie Poullain, der nebenbei bemerkt behauptet, sein Vater sei ein Pirat in der Karibik gewesen. Das hilft vielleicht, wenigstens sein Aussehen zu erklären. Die beiden machen eine WG auf, in der viel mit Freunden gejammt wird. An den Wochenenden kommt Justin zu Besuch, er bringt einen alten Schulfreund von Dan mit: den Drummer Ed Graham.

Die Hawkins-Brüder und Poullain gründen eine Progrockband mit dem Namen Empire, der jedoch nur ein kurzes Leben beschert ist. Den imminenten Misserfolg vor Augen beschließen die Drei, den Sänger zu feuern. Eine Diskussion um die Zukunft der Band beginnt. Irgendwie kommen sie zu dem Ergebnis, dass Justin der neue Leadsinger der Band werden muss. Ed muss nicht lange bekniet werden, um als Schlagzeuger einzusteigen. Et voilà: The Darkness.

Die Band hat jedoch noch harte Arbeit vor sich auf dem Weg auf den Rockolymp. Sie geht zunächst in Nordlondon zu Werke, wo sie hauptsächlich an den Wochenenden Shows spielt. Ihre Anhängerschaft wächst schnell und fast nur durch Mundpropaganda. Doch ihre Art stößt vielerorts auf Kopfschütteln, oft wird sie wegen ihres Outfits und wegen der Eunuchenstimme Justins als Rockparodie wahrgenommen. Die gute alte Mutter Musik zu verarschen, weisen sie entrüstet von sich: sie wollen lediglich den Spaß zurück auf die Bühne bringen. Viele der heutigen Bands sind ihnen zu ernsthaft.

Ihr Debüt "Permission To Land" erscheint im September 2003 in England gleich auf einem Majorlabel, und der Hype kann beginnen. Das Album crasht die Charts und bohrt sich auf Platz eins tief in die Erde. Auch die Singles landen locker in den Top Ten. Ihre Liveauftritte sind umjubelt, ob in London oder New York. Das Album erscheint hierzulande im Oktober. Im selben Monat kommen sie auch mit Meat Loaf auf Tour, nachdem sie im Sommer schon einmal im Vorprogramm von den Rolling Stones gespielt und eine Handvoll Gigs in kleineren Clubs absolviert haben.

2005 verschanzen sich The Darkness in den Monmouth Studios in Wales, wo auch schon die großen Vorbilder von Queen ihr "Bohemian Rhapsody" aufnahmen. Während der Arbeiten am "Permission To Land"-Nachfolger verkünden Justin und co. überraschend den Ausstieg von Bassist Frankie Poullain. Als Grund nennt man "musikalische Differenzen", eigentlicher Auslöser war wohl, dass Frankie seine Zeit immer öfter auf seinem Anwesen in Frankreich statt mit den Jungs verbrachte.




18.Avril Lavigne

Manches mal wird schon heftiges Geschwätz aufgefahren, wenn es darum geht, die musikalischen Ambitionen von Newcomern zu umschreiben. Meist wissen sie bereits im Hosenschiss-Alter, dass sie zum Star geboren sind und planen im Kindergarten den Börsengang der eigenen Company, die am besten schon im Vorschulalter gründet wird. Nicht anders ist das bei Avril Lavigne. Sie soll der Legende nach schon im Alter von zwei Jahren gewusst haben, dass sie dereinst Sängerin werden will. Da wundert es eigentlich, dass nicht schon einer behauptet, schon im flüssigen Zustand eine Vision der zukünftigen Karriere gehabt zu haben.
Wahrscheinlich fährt Avril Lavigne besser, wenn man nicht Label-Prosa sondern einfach ihre Musik für sie sprechen lässt. Die ist für eine junge Frau ungewöhnlich rockig, aber einfühlsam zugleich. Aber ein typisches Mädchen ist Avril jedoch nicht. Sie ist eine von der Sorte, die den übermütigen Jungs für Hänseleien schon im Sandkasten ein blaues Auge verpasst. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass sie das Mittlere von drei Kindern ist und sich als einziges Mädchen der Familie durchsetzen muss. Das Spielen mit Puppen überlässt sie den anderen Mädels, denn das Skateboard ist ihr liebstes Fortbewegungsmittel. Diesem widmet sie auch mal einen Song ("Sk8er Boi"). Sie bezeichnet ihre Musik gerne als Skate-Punk. Mit dieser Definition dürfte sie aber ziemlich alleine dastehen.
Geboren am 27. September 1984 wächst Avril im beschaulichen 5.000-Seelen-Kaff Napanee in Kanada auf. Mit 15 Jahren zieht sie zusammen mit ihrem Bruder, der ein waches Auge auf die Kleine haben soll, die Metropole New York dem muffigen Provinznest vor. In Big Apple angekommen, sieht Antonio Reid, Chef von Arista, sie bei einem Auftritt und nimmt sie sofort unter Vertrag. Noch einmal kehrt sie nach Hause zurück, aber nur um ihre Sachen zu packen und fortan in New York ihre Zelte aufzuschlagen. Dort soll sie mit bekannten Produzenten und Songschreibern zusammen arbeiten. Die Resultate dieser Kooperationen sind für Avril aber alles andere als befriedigend. Sie findet die Songs scheiße, und irgendwie scheint ihr New York doch nicht so zuzusagen. Reid, dessen Spitzname schlicht "LA" lautet, schickt sie daraufhin erst einmal in "seine" Stadt, damit sie auf andere Gedanken kommt und nicht am künstlerischen Manhatten-Desaster verbittert.

Vielleicht ist es ja die kalifornische Sonne, die sie aufblühen lässt. Auf jeden Fall scheint ihr der Tapetenwechsel gut zu tun. Zusammen mit dem renommierten Songschreiber und Produzenten Cliff Magness werkelt sie an Songs, die endlich ihren Vorstellungen entsprechen. Kaum sind die ersten Aufnahmen unter Dach und Fach, legt sie ihre geschäftlichen Geschicke in die Hände von Nettwerk Management, das schon die Belange von Sarah McLachlan, Dido, Coldplay, den Barenaked Ladies and Sum 41 regelt.

"Complicated", die erste Single aus dem Debüt "Let Go"; rollt kurz nach Erscheinen die Charts in Kanada auf - die deutschen Hörer müssen sich aber noch bis August 2002 gedulden, ehe zuerst die Single mit gehörigem Brimborium auf den Markt geworfen wird und im September das Album erscheint. Das warten hat das Publikum anscheinend angestachelt, denn Avrils Album geht aus dem Stand in die Top Ten der deutschen Charts. Medienrummel allenthalben, mit Berichten in allen möglichen Gazetten folgen.

Das Jahr 2002 ist definitiv ihr Jahr. Erst toppt sie mit "Complicated" die US Single-Charts, dann erhält ihr Album im August Doppel-Platin und letztendlich gewinnt sie im selben Monat einen MTV Award als beste Newcomerin. Im November 2003 erscheint ihre erste DVD "My World". Zur dieser Zeit ist sie bereits wieder im Studio, um ihr zweites Album einzuspielen, das letztlich im Mai 2004 erscheint. Auch "Under My Skin" wird - nicht zuletzt dank des verbesserten Songwritings - ein voller Erfolg.




19.Anastacia

Anastacia Newkirk, so ihr vollständiger Name, wird am 15. September 1973 in Chicago geboren und stammt aus einer Künstlerfamilie. Ihre Eltern, ein Sänger und eine Schauspielerin, legen der kleinen anscheinend das Talent in die Wiege. Angespornt durch den Background ihrer Eltern fängt sie schon recht früh an, sich professionell für das Tanzen zu interessieren und wird für diverse Musikvideos als Hupfdohle engagiert. So zum Beispiel für Salt 'n' Pepas "Everybody Get Up" und "Twist And Shout".
Aber klar ist, dass sich eine Lady, die ein Gesangsvolumen aufweist, das man eher einer dicken, schwarzen Mama zuordnen würde, nicht mit Background-Schubidu und gelegentlichen Tanzeinlagen abspeisen lässt. So versucht sie mit selbstgeschriebenen Songs einen Plattenvertrag zu ergattern, was jedoch nicht zuletzt daran scheitert, dass sie sich in ihrer künstlerischen Freiheit nicht einschränken lassen will. So missachtet sie viele "gutgemeinte" Ratschläge diverser Produzenten, die sie entweder zur neuen Hip Hop-Queen machen oder ihren Gesangstil ändern wollen. Gut, dass sich Anastacia nicht beirren lässt und ihren schönen Dickkopf gegen alle Widrigkeiten durchsetzt.

So kommt es, dass sie 1998 an einem Gesangswettbewerb von MTV ("The Cult") teilnimmt und unter die letzten zehn Bewerberinnen kommt. Die begehrte Trophäe kann sie zwar nicht einfahren, aber am Ende hat ihre Performance so ziemlich jeden beeindruckt, der im Business etwas zu melden hat. Schließlich kann sie sich aussuchen, bei welchem Majorlabel sie einen Vertrag unterschreiben will. Alle stehen Schlange, um sich die Dienste ihrer markanten Stimme zu sichern.
Sony bekommt den Zuschlag und 2000 ist es endlich so weit, das Debutalbum "Not That Kind" erscheint. Im März 2001 sackt sie dafür den "Echo" in der Kategorie "Best International Newcomer" ein, und verweist dabei Mitbewerber wie Macy Gray, Blink 182, Gigi D'Agostino und Craig David auf ihre Plätze. Das Nachfolgealbum "Freak Of Nature" bestätigt ihren Ausnahmestatus. In der Folge platziert sie ihren Power-Soul in 10 Millionen Haushalten und sammelt eine Unmenge an Preisen, bevor im Januar 2003 eine schreckliche Nachricht die Musikwelt erschüttert: Anastacia bestätigt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist.

Anastacia, übrigens ein alter griechischer Name, der ungefähr so viel bedeutet wie "die Auferstandene", hat sich die Bedeutung ihres Namens wohl als Lebensmotto auserkoren. Dank einer frühzeitigen Erkennung besiegt sie ihre Krankheit in der Rekordzeit von sechs Monaten. Von stoischer Lebensbejahung beseelt, weiss sie über diese Zeit zu berichten: "Ich konnte nicht sprechen, nicht denken und litt viele Qualen. Es war wirklich hart! Dennoch sehe ich immer die positiven Seiten. Ich muss das Leben einfach durch eine rosarote Brille sehen, auch wenn mein Blick in den vergangenen Monaten empfindlich getrübt wurde".

Im September 2003 spielt sie im Studio zusammen mit Glen Ballard (Alanis Morissette), Dallas Austin (TLC, Pink, Boyz II Men, Madonna) und Dave Stewart die ersten Songs für ein neues Album ein. Das selbstbetitelte "Anastacia" erscheint pünktlich zum Frühlingsbeginn 2004 und präsentiert eine gereifte Anastacia. Mit intimen Texten, in denen sie ihre Erfahrungen mit der Krankheit verarbeitet, und erdbetontem Soul-Rock zeigen sich die Umgestaltungen sehr deutlich. Anastacia ist sich der Veränderungen wohl bewusst und gespannt, wie die Fans auf das Album reagieren werden. "Es ist so, als ob man jemandem sein dunkelstes Geheimnis zeigt und hofft, dass man geliebt und verstanden wird. Wenn die Fans mich immer noch mögen, dann weiß ich, das alles okay ist".




20.Wir Sind Helden

Kann man einer Sängerin vertrauen, die den Namen Judith Holofernes trägt? Deren biblische Namensgeberin durch das Köpfen eines Mannes (des Feldherren Holofernes) in die Geschichte eingegangen ist? Zumindest drei Männer haben sich nicht abschrecken lassen: Zusammen mit dem Keyboarder und Gitarristen Jean-Michel Tourette und Schlagzeuger Pola Roy formiert sich um 2001 herum die Berliner Band Wir sind Helden, die durch den etwas später hinzu stoßenden Bassisten Mark Tavassol ihre Komplettierung erfährt.
Der attraktive Blickfang Judith Holofernes sammelt bereits mit 14 Jahren Erfahrungen als Straßenmusikerin in Freiburg. Ende der neunziger Jahre tritt sie, sich selbst an der Gitarre begleitend, als Solokünstlerin in Berliner Clubs auf. In dieser Zeit veröffentlicht sie mit "Kamikazefliege" und "BeSonic.com" zwei CDs. Auf der Suche nach männlichen Begleitmusikern trifft Judith bei einem "Pop-Workshop" in Hamburg auf Jean-Michel und Pola. Die "Helden" sind geboren.
Sie selbst beschreiben ihre Musik als "Synthie-Punk-Pop", der sich in "28 % Synthie, 34 % Punk und 38 % Pop" aufschlüsselt. Einige der Songs, die Holofernes für ihre eigenen CDs komponiert, sind mittlerweile Bestandteil des Live-Programms der Band. Mit einer ersten, auf 3000 Stück limitierten (und inzwischen längst ausverkaufen) EP gelingt der Gruppe in der Hauptstadt ein nicht kleiner Achtungserfolg. So ist es naheliegend, dass im Februar 2003 bundesweit die Maxi-CD "Guten Tag" erscheint, die die Helden erstmals einem größeren Publikum bekannt macht. Das Video erreicht die Musiksender, ein (noch) bescheidener Charts-Eintritt erfolgt, und der Wunsch von Judith Holofernes, den sie auf dem offiziellen Debüt besingt, wird Wirklichkeit: Bei einer Einladung zur "Harald Schmidt Show" präsentiert sich die Sängerin als symphatische und schlagfertige Gesprächspartnerin mit Charme und Ausstrahlung.

Mit "Müssen nur wollen" erscheint am 12. Mai 2003 die zweite Maxi-CD der Berliner, Anfang Juli folgt mit "Die Reklamation" das erste Album. "Die Zeit heilt alle Wunder", stellt Judith auf der Debüt-Maxi nachdenklich fest. Doch durch das Potenzial der Gruppe, ihren versiert arrangierten und getexteten Titeln, gepaart mit in vielen Club-Gigs bereits erworbener Praxis bleibt ein fester Platz im deutschen Musik-Himmel keine Utopie.

Die Mischung aus unkomplizierten, geradeheraus gespielten Nummern und einfühlsamen Balladen überzeugt durch gekonnte Texte und gelungene Melodiebögen. Assoziationen an die besseren Songs der Neuen Deutschen Welle sind erlaubt und beabsichtigt. Mit manchmal naiv wirkenden und doch überlegten Lyrics beweisen Wir sind Helden ihr Gespür für farbigen Umgang mit der deutschen Sprache, z. B. in "Denkmal": "Hol' den Vorschlaghammer/ Sie haben uns/ ein Denkmal gebaut/ und jeder Vollidiot weiß/ dass das die Liebe versaut/ ich werd' die schlechtesten Sprayer dieser Stadt engagieren/ sie sollen nachts noch die Trümmer/ mit Parolen beschmier'n."

Ja, man kann Judith Holofernes vertrauen, denn ihr biblisches Pendant schlug dem Feldherrn Holofernes den Kopf schließlich nur ab, um damit heldenhaft ihr eigenes Volk zu retten. Die deutsche Musikszene benötigt ebenfalls dringend Helden, die frisch und unverbraucht dem Pop neue Impulse geben können. Der Weg dorthin ist mit genügend Widrigkeiten gepflastert, die eine gewachsene, live-erfahrene Gruppe aber sicher besser - und mit längerem Atem - bewältigen kann als künstliche, austauschbare Popstar-Produkte vom Reissbrett. Helden müssen tapfer sein.

Und das sind sie: Die vier überstehen den sie überrollenden Presserummel, verscherbeln über 500.000 Einheiten ihres Debüts und verkaufen nebenbei ihre Tournee aus. Vom Echo 2004 tragen die Helden verdienter Weise gleich drei Preise nach Hause. Sie gewinnen in den Kategorien "Nationaler Newcomer Videoclip", "Nationaler Nachwuchspreis der Deutschen Phono-Akademie" und "Nationaler Radio-Nachwuchspreis".

Doch natürlich ruhen sich Helden nicht auf ihrem Erfolg aus. Nach einem Tour-Marathon quer durch die Republik und befreundete Nachbarstaaten trifft sich die Band wieder im Studio. Ziemlich locker scheinen sie mit den Erwartungen, die alle Welt nun an sie stellt umzugehen. Denn heraus kommt mit "Von Hier An Blind" ein Album, das schon nach wenigen Wochen Platin-Status erreicht. Auch die Konzerte zum Album sind zum Großteil schon vor Beginn der Tournee ausverkauft.




21.Nickelback

Vancouver, Kanada, 1996. Hier arbeitet Mike Kroeger in einem Starbucks Café. Nebeher spielt er mit Ryan Peake, Ryan Vikedal und seinem Bruder Chad Kroeger in einer noch namenlosen Band. Die vier mögen Soundgarden, Bush, Nirvana und beschreiben ihre Musik selbst als "Hard rocking, energetic and entertaining rhythm driven songwriting. Guaranteed to pack the floor and drive a crowd into a frenzy!" Als Mike irgendwann Wechselgeld zurück gibt ("Here's your Nickel back."), kommt er auf den Bandnamen.
Die vier beginnen Songs zu schreiben und nehmen ein Demo-EP namens "Hesher" auf. Einen Plattenvertrag bringt das zwar noch nicht, aber sie gehen immerhin in Kanada auf Tour. Im Herbst 96 veröffentlichen sie ihr erstes Album "Curb", eintausend Exemplare werden in Eigenregie unter's Volk gebracht. Wieder kein Plattenvertrag, wieder steht Touren auf dem Plan.
Im Sommer 98 gehen sie wieder ins Studio und nehmen "The State" auf. Die selbstveröffentlichte Single "Leader Of Men" schafft den Sprung in die Charts und plötzlich stehen die Plattenfirmen auf der Matte. Für Kanada bekommt EMI den Zuschlag, für den Rest der Welt Roadrunner Records. Endlich läuft die Promomaschine an und das Album "The State" verkauft sich in den USA mehr als 400000 Mal. In Kanada erreichen Nickelback Goldstatus und gewinnen Anfang 2001 den Juno-Award in der Kategorie "Best New Group". Im Frühjahr 2001 wird "The State" dann auch endlich in Deutschland veröffentlicht. Und Mike Kroeger muss nie wieder in einem Café arbeiten.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von "The State" sind Nickelback jedoch schon damit beschäftigt, den Nachfolger einzuspielen. Der hört auf den Namen "Silver Side Up" und erscheint am im September 2001. Zuerst liegt das Ding recht schwer in den Regalen, was sich aber im Zuge des Charterfolges von "How You Remind Me" schnell ändert. Die Single penetriert die Spitze der Bestenliste und zieht in seinem Schlepptau das Album in die Top 5. Als folge dessen müssen die Kanadier ihre für kleine Clubs gebuchte Tour in größere Hallen verlegen. Auch diese sind in kürzester Zeit ausverkauft und bescheren der Band ein mediales Interesse, mit dem sie wohl selbst nicht gerechnet haben. Ihre Plattenfirma gibt dann dem Affen noch zusätzlich Zucker und veröffentlicht 2002 das schon lange vergriffene Debüt "Curb" neu.

Zwischen umjubelten Hallen-Konzerten und Festival-Auftritten finden Chad und co. genügend Zeit, um neue Songs zu schreiben und aufzunehmen. Kroger legt parallel zu den Touraktivitäten das Duett "Heroes" mit Josey Scott von Saliva für den Spiderman-Soundtrack hin, bevor im Herbst 2003 "The Long Road" an den Start geht. Anscheinend haben sie jetzt ihr Profil so weit geschärft, dass ihr Konzept fest steht. Die Unterschiede zu "Silver Side Up" sind folglich nur marginal.

2005 gibt es einen Wechsel im Line-up: Daniel Adair, bislang im Studio und auf Tour als Drummer im Einsatz für die College-Rocker 3 Doors Down, ersetzt Ryan Vikedal am Schlagzeug. Adair stammt ebenfalls aus Vancouver und verlässt seine bisherigen Bandkameraden ziemlich überraschend. Gemeinsam beginnt der Vierer mit den Arbeiten am Nachfolger zu "The Long Road", der im Sommer in den Läden steht.




22.Moby

Moby aka Richard Melville Hall hat schon immer eine Vorliebe für richtig abgefahrenen Krach, die er damit erklärt, dass sich seine Mutter während der Schwangerschaft ab und zu auf eine gepflegte Acid-Reise schickt. Bevor jedoch das große Durchstarten beginnt, machte der New Yorker sich in unermüdlicher DJ-Arbeit in sämtlichen US-Clubs einen Namen. Die ersten Releases von Moby gibts's in Kleinstauflage bei Independent-Winzlabels, bevor die Majors auf ihn aufmerksam werden.
Sein Debut in Majorland erfolgt 1995 mit "Everything Is Wrong", wo er so ziemlich alles hinein wurstelt, was er im Laufe seines Lebens an musikalischen Stilen aufschnappt. Das Besondere daran ist jedoch, dass aus dieser Frickelei eine eigenständige, homogene Mischung entsteht. Überhaupt ist musikalische Einfalt nicht unbedingt Mobys Sache. So schockt er die Fanschar 1996, als er kurzerhand ein waschechtes Rockalbum herausbringt, nur mal so nebenbei, um zu zeigen, dass er alles macht, nur nicht Erwartungen erfüllen. Drohender Singletitel: "That's When I Reach For My Revolver"!
Außerdem fällt sein Engagement für Tiere und sein Lebensstil auf, der so gar nicht zum technoiden Selbstverständnis von Party, Drogen und Happiness passt. Moby ist strikter Veganer. Seine Weisheiten tauchen in den Booklets der CDs auf, selbstverständlich auch mal mit dem Zusatz versehen, dass dies seine eigenen Gedanken sind, die man nicht unbedingt teilen muss, um die Musik zu mögen, und umgekehrt. Ist er nicht süß?

Mit der '97 er Scheibe "I Like To Score" kehrt er wieder in den Schoß der Elektronikhirne zurück und man kann sehen, dass das seine wahre Stärke ist. So ist seine Adaption des "James Bond Themes", obwohl für Moby-Verhältnisse eher eindimensional, auf Anhieb ein mittelschwerer Hit. 1999 schafft er mit "Play" den unerwarteten Riesenwurf. Begeisterte Presse, Werbejingles mit Moby-Soundtrack und ausgedehnte Konzertreisen sorgen für Moby-in-aller-Munde. Aber aufgepasst: im Bezug auf diesen Querkopf keine Erwartungen hegen, denn sie werden garantiert nicht erfüllt!

Im Juli 2001 erscheint zum Rekordalbum "Play" die dazu gehörige DVD. Den Inhalt bilden ein knapp 90-minütiger Megamix des Albums mit Beteiligung von Rae & Christian und Mike D, sowie computeranimierte Visuals. Die Hit-Videos und ein vom Cheffe selbst Handkamera-gefilmtes Tour-Tagebuch soll die Wartezeit zu neuem Material verkürzen. Mitten in die Vorbereitungen zum Play-Nachfolger platzt der Terror-Anschlag des 11. September 2001. Moby, der in unmittelbarer Sichtweite zum World Trade Center wohnt, ist geschockt, wie so viele Millionen andere Menschen auch. Im Tagebuch auf seiner Homepage versucht er seine Gedanken auf die Reihe zu bringen und teilt sie mit seinen Fans. Dabei gibt er sich verletzlicher als man ihn gemeinhin einschätzt. Er macht so idealistische Vorschläge wie den, dass die USA die religiösen Fanatiker mit fingierten Sex-Photos diskreditieren könnte, was ihm neben Verwunderung auch jede Menge Spott einbringt.

Im Mai 2002 erscheint der "Play"-Nachfolger "18", mit dem Moby sein Talent für träumerische Melodien erneut unter Beweis stellt. Begleitet von einem bis dato bei Moby noch nicht gekannten Medien-Trara geht die Erfolgsstory munter weiter und natürlich begibt sich der Tausendsassa auch wieder auf Tour. Diese führt ihn abermals rund um den Globus und versetzt Mobyaner auf der ganzen Welt in Verzückung. Vorher bringt er jedoch noch eine eigene Fernseh-Show auf MTV an den Start. In 'Señor Moby's House of Music' spielt er die Sachen, die ihm gefallen. Chartbreaker und ungesignte Bands geben sich hier musikalisch die Klinke in die Hand. 2003 hat er - neben allen Tour-Aktivitäten - sogar Zeit, mit Britney Spears einen Song aufzunehmen. Moby-Fans sind alles andere als begeistert, aber zu ihm passt das, denn ausrechenbar war er eigentlich noch nie, der gute Richard Melville Hall.

Im Sommer 2003 tritt er schließlich mit der beunruhigenden Nachricht an die Öffentlichkeit, eventuell nie wieder auf Tour gehen zu wollen. Er möchte stattdessen heiraten und kleine Mobyleins in die Welt zu setzen. Die Fangemeinde hofft natürlich, dass das ein Scherz war. Die Tatsache, dass der Gute bis zu diesem Zeitpunkt fünf Jahre fast permanent auf Tour war, lässt schließen, dass Moby wohl mehr als erschöpft ist und deshalb so einen Unsinn redet. Schade wär's allemal, denn dann müssten seine Fans auf wilde Partys bei seinen Konzerten in Zukunft verzichten.

Das Jahr 2004 hingegen beschert der Welt die zweite Platte unter Mobys Pseudonym Voodoo Child. Die Idee zu "Baby Monkey" kommt ihm nach einer durchfeierten Nacht zum Abschluss der 18-Tour. Die Erkenntnis überkommt ihn, dass er 'simple and straight forward dance music' doch richtig geil findet. So setzt er sich zuhause hin und nimmt seine Version dessen auf, was Leute zum Arschwackeln bringen soll.




23.Michael Bublé

In der Folge seines Debütalbums "Michael Bublé" (2003) sehen über 250.000 Fans Michael Bublé live auf der Bühne. Mehr als vier Millionen Mal geht der Erstling über die Ladentheke, mehrfache Gold- und Platinauszeichnungen inklusive. Bublé gelingt damit, wovon andere träumen, und das weltweit. Fünffaches Platin in Australien, dreifach in Kanada, doppelt in England, Südafrika, Italien, Neuseeland und auf den Philippinen. Gold in Indonesien, Malaysia, Spanien, Taiwan und Hongkong.
Woran es liegt? Am Swing-Virus, der um die Jahrtausendwende scheinbar die ganze Welt befällt. Nachdem Robbie Williams, die No Angels und Jamie Cullum den Globus infizieren, greifen nach relativ kurzer Inkubationszeit Paul Anka und Michael Bublé an. Ihre Songs und ihre exzellente Songauswahl ergreifen den Körper, der vom Swing-Fieber gepackt, rhythmisch zu zittern beginnt (in vielen Kulturen wird dieses Verhalten als Tanzen interpretiert).
Originelle und ausgefeilte Arrangements kennzeichnen Bublés erlesenes Repertoire. Darunter befinden sich neben den Standards von Cole Porter und George Gershwin auch einige Exoten. "Can't Buy Me Love" beispielsweise, der Pilzkopf-Megahit, überrascht auf "It's Time" mit hurtig durch die Strophen wetzendem Walking-Bass, der vom Refrain mit großen Big Band-Getöse ins Halftime ausgestoppt wird.

Michael Bublé kommt im Vancouver/Kanada des Jahres 1975 (9. September) zur Welt und saugt von Kindesbeinen an die Klänge der singenden Swing-Legenden in sich auf. "Mein Großvater war mein bester Freund als ich aufwuchs. Er war derjenige, der mir eine ganze Welt an Musik eröffnete, die von meiner Generation nicht beachtet wurde. Obwohl ich natürlich Rock'n'Roll und moderne Musik liebte, geschah etwas Magisches, als mein Großvater mir zum ersten Mal die Mills Brothers vorspielte. Die Text waren so romantisch, so echt. Ich wusste, dass dies die Musik war, die ich selbst gern singen würde."

Nachdem er sich in den Jahren zuvor durch zahlreiche Bands singt, erringt er mit 17 den ersten Platz beim Canadian Youth Talent Wettbewerb. Er nimmt ein paar Independent-Alben auf und verdient sich große Anerkennung in der Musikrevue "Swing", die er zusammen mit der Red Rock Diner Road Company auf die Bühne bringt.

Den Kontakt zu David Foster, Talentscout bei Warner, stellt der ehemalige kanadische Premierminister her. 2001 beginnen Foster und Bublé an der Arbeit für das selbstbetitelte Major-Debüt, das 2003 erscheint - zur richtigen Zeit. Bublés Erstling legt einen fulminanten Senkrechtstart hin. Der Swing, und mit ihm Michael Bublé, ist in aller Munde.

Aufgrund des großen Erfolgs wird im selben Jahr auch sein "Totally Blonde"-Soundtrack aus dem Jahr 2001 unter dem Namen "Totally Bublé" veröffentlicht. 2005 kommt der potente Studio-Nachfolger "It's Time" in die Läden und räumt abermals kräftig ab. Kurz darauf folgt mit "Come Fly With Me" ein CD/DVD Live-Mitschnitt seiner erfolgreichen Debüt-Tournee.

Der an Superlativen nicht arme Musikzirkus verleiht Michael Bublé derweil das Prädikat "Frank Sinatra des 21. Jahrhunderts". Die New York Times umschreibt es etwas filigraner und titelt "Bublé tropft förmlich vor Starqualitäten." Warten wir es ab, das Jahrhundert ist ja noch jung. Michael Bublé ebenfalls!





Quelle: www.laut.de
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